Dienstag, 19. Mai 2020

Die Rolle der Ombudsstellen

... an Hochschulen in der Schweiz, siehe SRF am 21.02.2019:
 
An Lenas Hochschule gäbe es zwar eine Ombudsstelle, aber sie meldete sich dort nie. Sie befürchtete, dass ihr Chef Schlechtes über sie verbreiten würde, wenn es eine Untersuchung gäbe. (...) Sie selbst habe sich dort nie gemeldet, aber andere Mitarbeiter ihres ehemaligen Chefs. «Es ist aber dennoch nichts passiert, gar nichts.

Meist passiert schon was, denn der Hinweisgeber bekommt mehr oder weniger massiv Ärger, indem das Prinzip der Vertraulichkeit exklusiv in Bezug auf den Hinweisgeber verletzt wird und er schikaniert, isoliert, rufgeschädigt wird. Lenas Befürchtungen gründen auf Erfahrungen anderer. 
 
Je nachdem, ob eine Hinweisgeberin Ressourcen in Form einer starken Position am Institut, im beruflichen Feld, in Form von einflussreichen Kontakten aktivieren kann oder nicht, geht das berufliche Fortkommen bestenfalls woanders weiter - an einem anderen Institut, in einem anderen Themenfeld, im Ausland - oder endet gleich ganz

Lena hat diese Erfahrungswerte berücksichtigt. So bleibt alles beim Alten, aber Lena und ihre Kollegen sind daran sicher nicht schuld. Die Verantwortung liegt bei den Ombudsstellen.

Arbeitsrecht in den Elfenbeinturm

Ja zum Arbeitsrecht, nein zu:

- unbezahlter und nicht vereinbarter Arbeit: Jede Wissenschaftlerin hat das Recht auf vertragsgemäße Beschäftigung.

 - Privilegien: Ein Büro, ein Schlüssel zur Institutsbibliothek, eine Emailadresse, ein Zugang zu den Onlineressourcen, ein Laborzugang und andere Arbeitsmittel einer Universität lassen sich nur nutzen, wenn der entsprechende Arbeitsvertrag vorliegt. Alles andere ist rechtswidrig, letztlich Korruption, und benachteiligt alle Wissenschaftler, die keine entsprechende informelle Beziehung zu Amtsträgerinnen der Universität haben.

Akademischer Feudalismus hat diese zwei Seiten: Für die einen ist es (zeitweise) doof, weil sie selbst ihre begrenzten Ressourcen reinbuttern müssen, für die anderen ist es (zeitweise) prima, weil sie Ressourcen und Wettbewerbsvorteile bekommen, auf die sie eigentlich keinen Anspruch haben.

Und das Clevere daran, das den Feudalismus am Laufen hält: Die Situation kann sich auch mal schnell ändern.

Wer denkt, eben, ich muss nur lang genug buckeln und schleichen, ist allerdings falsch verbunden. 

Die Chancen, auf kurz oder lang alles doof oder alles prima zu haben, sind ungleich verteilt. Die Tochter eines Professors wird nicht lange oder schlicht gar nicht schleichen müssen. Verbessern lassen sich schlechtere Ausgangschancen auf dem aus vormodernen Zeiten bekannten klientelistischen Weg: sich ranhängen an den oder die Silberrücken, der oder die seine Drittmittel, TV-L-Stellen und Empfehlungsschreiben bei Wohlgefallen - aber nur dann - gern unters Fussvolk verteilt, oft auch unbeeindruckt von der tatsächlich erbrachten wissenschaftlichen Leistung.

Ansonsten bleibt nichts. Ganz davon zu schweigen, dass während des Buckelns und Schleichens Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Unwägbarkeiten drohen.

Daher ist es an der Zeit, die Parallelgesellschaften in Forschung und Lehre endlich für Errungenschaften der Moderne zu öffnen, die für die Mehrheit der Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Selbstverständlichkeit sind.

Willkommen im 21. Jahrhundert:

Für wirklich gute Arbeit in den Wissenschaften.

Wir haben genug


von Mobbing und allen anderen Zumutungen an unseren Arbeitsplätzen. 
 
 
Wir stützen und stärken Betroffene, indem wir:
 
- den Kontakt zueinander fördern

- Wissen sammeln und aufbereiten

- Erfahrungen mitteilen

- Ideen für geeignete Schritte diskutieren

- Texte gegenlesen: Berichte, Mobbingtagebücher, Stellungnahmen, Anfragen

- Kollegen direkt und persönlich unterstützen

- zu Anhörungen, Verhandlungen und anderen wichtigen Terminen begleiten

- uns an betriebs- und fachinternen Diskussionen beteiligen

- uns in die öffentliche Diskussion mischen

- die Probleme konkret beim Namen nennen